Praktische Anwendung
7 Tage Klarheit: Dein Mini-Plan zur Selbstbeobachtung
In der Sprechstunde stelle ich den Frauen oft dieselbe Frage: „Wie geht es Dir damit?“ Und dann folgt Stille. Nicht, weil den Frauen die Worte fehlen, sondern weil sie selten Zeit haben, sich selbst wirklich zu beobachten.
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Klarheit beginnt bei Dir selber. Niemand anders als Du selber kannst Klarheit über Dich herausfinden. Andere können Dir bei der Einordnung Deiner Befindlichkeiten helfen, aber beobachten musst Du selber. Wenn Du zur Ärztin gehst, berichtest Du ihr über Deine Symptome, über Deine Wahrnehmungen, über Deine Empfindungen. Anhand dieser Symptome versucht die Ärztin, eine Hypothese zu bilden über die möglichen Ursachen. Und diese Hypothese testet sie, falls nötig, anhand von Zusatzuntersuchungen wie Laboranalysen oder radiologischen Verfahren.
Was hilft sofort?
Die kurze Antwort: Fang mit einer einfachen 7-Tage-Beobachtungsübung an. Bevor Du etwas veränderst, beobachte einfach, was gerade ist: Körper, Gedanken, Gefühle, Verhalten. Aus dieser Beobachtung entsteht die Klarheit, die Du für weitere Schritte brauchst.
Die Stressachse verstehen
Wie wir in Blog 2 gesehen haben, sind die Nebennieren die Grundebene des funktionellen Hormonsystems. Die Reihenfolge ist immer dieselbe: Zuerst Nebennieren, dann Schilddrüse, dann Zyklus. Das heisst, die Stressachse «dominiert» sozusagen das funktionelle Hormonsystem, und das macht auch Sinn. Im anglo-saxonen Raum wird die Stressachse HPA-Axis genannt, für Hypothalamus – Pituitary (englisch für Hypophyse) – Adrenal (englisch für Nebenniere) Axis. Der Hypothalamus produziert CRH (Cortisol Releasing Hormon), damit stimuliert er die Hypophyse, welche ACTH produziert. Dieses Adrenocorticotrope Hormon (eben ACTH) sagt der Nebennierenrinde, ob sie Cortisol produzieren soll oder sich beruhigen kann.
Und jetzt sind wir schon mittendrin. Alle kennen den Namen Cortisol, oder denjenigen von seinem künstlichen Abkömmling Cortison. Cortisol regelt wichtige Grundfunktionen des menschlichen Stoffwechsels. Das Hormonsystem ist Teil des Stoffwechsels. Ohne Cortisol können wir nicht überleben. Die Hauptaufgaben von Cortisol sind: bei körperlichem oder psychischem Stress Energie bereitzustellen, den Blutdruck zu regulieren, und Entzündungen zu kontrollieren. Diese Darstellung ist zwar sehr vereinfacht, aber sie ist korrekt. Und sie enthält überdies eine äusserst wichtige Information:
Der menschliche Organismus kann nicht zwischen körperlichem und psychischem Stress unterscheiden. Die biologischen Reaktionen, die durch Stress hervorgerufen werden, sind dieselben bei einer physischen Verletzung, und bei dem Gedanken an ein traumatisches Erlebnis.
Emotionen und Gefühle unterscheiden
Was sind eigentlich Emotionen, und was unterscheidet sie von Gefühlen? Emotionen entstehen durch Gedanken. Emotionen sind körperlich und psychisch zugleich. Es gibt immer eine physiologische Komponente, wie zum Beispiel Herzklopfen, schnelles Atmen, oder Schwitzen. Untersuchungen haben gezeigt, dass körperliche emotionale Reaktionen etwa 7 Sekunden dauern – nachher werden die Emotionen von den damit verbundenen Gedanken «unterhalten». Je nach Geistesschule fällt die Unterscheidung der Emotionen etwas unterschiedlich aus. Ich komme gut zurecht mit 4 Gruppen von Emotionen: Wut, Angst, Traurigkeit und Glücksgefühl. Wichtig ist, dass es sich immer um Reaktionen oder sogenannte Affekte in Bezug auf etwas handelt.
Davon abzugrenzen sind Gefühle, die kein Objekt oder keinen äusserlichen Grund haben. Wir können durch Achtsamkeit lernen, diese Gefühle zu kultivieren. Denn sie beeinflussen ganz grundlegend unser Hormonsystem und damit unsere Biologie. Es handelt sich um Freude, Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit. Es sind die Gefühle des Seins, die unser Wesen strahlen lassen und unseren Körper beruhigen. Unsere biologischen Funktionen stehen in direktem Zusammenhang mit den Gefühlen des Seins und mit unseren Gedanken. Es ist grundlegende Biologie und Biochemie.
Deine 7-Tage-Beobachtungsübung
Das grundlegende Mini-Tracking besteht aus Selbstbeobachtung und ist wie folgt organisiert: Den ganzen Tag hindurch stellst Du Dir jede halbe Stunde die Frage, wie es Dir geht. Du beobachtest, welche Empfindungen Dein Körper hat, welche Gefühle Du hast, was Du denkst und was Du tust.
Als ich das zum ersten Mal gemacht habe, konnte ich sehr gut beschreiben, was ich gerade tat. Ich war an der Arbeit, auch meine Gedanken konnte ich gut benennen. Das war 2016, also vor über 10 Jahren. Ich habe die Notizen noch. Schwieriger war es, meine Emotionen und Gefühle zu benennen. Die körperlichen Beobachtungen beschränkten sich darauf, ob ich Hunger bzw. Energie hatte oder nicht. Seither ist viel Zeit vergangen. Ich habe mich in transpersonaler Psychologie weitergebildet, und ich habe selber sehr viel Körperarbeit gemacht. Diese Erfahrungen helfen mir heute, Dich auf Deinem Weg zu begleiten.
Die Selbstbeobachtung basiert auf der Frage, was eigentlich in unserem Inneren passiert. Dazu brauchen wir Achtsamkeit und Präsenz für uns selber. Wir können lernen, die oben beschriebenen Emotionen von körperlichen Bedürfnissen bzw. Defiziten wie Hunger oder Energielosigkeit zu unterscheiden. Wie drückt sich Dein Körper aus, wenn er Dir etwas mitteilen will? Mach Dir eine Tabelle, die wie folgt aussieht, und beobachte Dich eine ganze Woche lang:
Datum und Zeit | Handlungen | Gedanken | Emotionen | Empfindungen
Fazit:
Trag Deine Beobachtungen eine Woche lang ein. Wenn Du magst, teile Deine Fragen dazu über meinen Newsletter mit mir.
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