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Die 10 häufigsten Fragen, die Frauen mir stellen

Eine Frau sitzt in der Sprechstunde, ist leicht verlegen, und stellt erst am Ende fast beiläufig die Frage, die sie eigentlich am meisten beschäftigt: „Bin ich eigentlich normal?“ Diese Frage habe ich, in ganz unterschiedlichen Verkleidungen, fast jede Woche gehört.

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Junge Frau mit lockigem Haar im Sonnenlicht

Ich habe während meiner Zeit als niedergelassene Ärztin fast 30’000 Mal eine Frau nach ihrer Befindlichkeit gefragt. Ich bin unendlich dankbar für diesen grossen Erfahrungsschatz, aus dem heraus ich nun vielen Frauen zu Eigenmacht verhelfen kann. Alles, was ich heute weiss, habe ich durch die Fragen der Frauen gelernt. Auf vieles wusste ich eine Antwort, auf vieles nicht. Diese Situationen, in denen ich keine Antwort wusste, waren die wichtigsten für meinen eigenen Lernprozess. Sie haben mich auf meine medizinische und persönliche Forschungsreise geschickt. Die «Schätze», die ich dabei geborgen habe, möchte ich nun mit allen Frauen teilen.

Was diese Fragen gemeinsam haben

Die kurze Antwort: Fast alle diese Fragen drehen sich um dieselbe Unsicherheit: Bin ich normal, kann ich mir selbst vertrauen, und was davon liegt wirklich in meiner Hand? Hier sind die 10 Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden, mit kurzen Antworten.

Die 10 Fragen, die Frauen mir am häufigsten stellen

Frage 1: „Bin ich eigentlich normal?“

Manchmal wird eine tiefe Sorge nicht direkt als Frage gestellt. Die Frau kommt mit einem Symptom, das sie nicht einordnen kann. Oder jemand hat ihren Körper kritisiert. Irgendwann während der Untersuchung kommt dann die Frage nach der Normalität. Ob die Anatomie der Vulva, der Vagina, der Klitoris oder der Brüste «normal» sei. Oder der Geruch. Oder ihre Art, einen Orgasmus zu erleben oder nicht. Ja, die am besten versteckte Frage ist «Bin ich eigentlich normal?». Ich habe lange gebraucht, um diese Frage herauszuhören, die oftmals hinter einem Gefühl der Scham versteckt ist. Heute habe ich Gewissheit: Die Bandbreite der Normalität ist sehr weit. In den allermeisten Fällen ist die Frau als solche absolut normal. Nur schon das zu wissen tut gut.

Frage 2: „Sind meine Beschwerden (noch) normal?“

Diese allgemeine Frage macht ein weites Feld auf, von denen ich nur einige nennen möchte: Zyklusveränderungen, Schmerzen, Blutungen, Ausfluss… Ich habe Frauen erlebt, die einen Termin abgemacht hatten, und dann am Tag der Kontrolle keine Symptome mehr hatten. Dann war es ihnen jeweils ein wenig peinlich. Das sollte nicht so sein. Diese Frauen hatten ihre Symptome ernst genommen und suchten Einordnung. Das ist ein Zeichen von Selbstverantwortung. Denn der Gradmesser für diese Frage bist Du selber. Je besser Du Dich kennst, desto besser merkst Du, wenn etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Und dann darfst Du fragen. Dazu sind wir Ärztinnen und Ärzte da.

Frage 3: „Sind es meine Hormone? Brauche ich einen Hormontest?“

Diese häufige Frage wird sehr oft und sehr direkt gestellt – denn viele Symptome werden auf «die Hormone» geschoben. Hormone sind zu einem Sammelbegriff für Frauenbeschwerden geworden. Es liegt mir daran, mit diesem Geschwafel rund um die «Hormone» aufzuräumen. Das kann ich nicht an dieser Stelle anhand einer einfachen Antwort tun. Ich werde in Zukunft noch oft zu diesem Thema sprechen. Hormone sind schlicht und einfach Botenstoffe des Körpers eines jeden Menschen. Frauen sind nicht emotionaler oder sensibler wegen ihrer Hormone, das ist absoluter Quatsch. Frauen müssen lernen, ihre Befindlichkeit genau zu beschreiben, ohne dabei auf den strapazierten Sammelbegriff der «Hormone» auszuweichen.

Frage 4: „Warum ist alles vor der Periode schlimmer? Kann Stress den Zyklus wirklich beeinflussen?“

Viele Frauen haben in ihrem vollgepackten Terminkalender keine Zeit für sich selber, geschweige denn für ihren Zyklus. Das Verhältnis von vielen Frauen zu ihrer Biologie und ihren Körperfunktionen ist gespalten. Die hormonelle Empfängnisverhütung ist eine grossartige Erfindung und hat Frauen und Männern die sexuelle Freiheit gebracht. Trotzdem wird damit der natürliche Zyklus und damit Körperwissen «weggedrückt». Ich bin überzeugt, dass in Zukunft mehr Frauen auf nicht hormonale Methoden der Empfängnisverhütung und Zyklusbeobachtung umsteigen werden, um besser in Kontakt mit ihrem Körper zu sein. Ja, es gibt das prämenstruelle Syndrom, und ja, Stress kann den Zyklus wirklich beeinflussen. Auch darüber werden wir noch oft vertieft sprechen.

Frage 5: „Warum erkenne ich mich selbst manchmal nicht wieder?“

Diese Frage gipfelt manchmal im dramatischen Aufschrei, jemanden umbringen zu wollen. Das habe ich x-Mal gehört. «Warum bin ich plötzlich so emotional und gereizt?». «Sind das schon die Wechseljahre? Wird sich dieser Sturm jemals wieder beruhigen?». «Bilde ich mir das nur ein?» Alle diese Fragen haben diesen gleichen Kern – sich selber nicht wiederzuerkennen.

Bei jungen Frauen höre ich diese Sätze, wenn es um die Zeit vor der Regel geht, eben während der oben erwähnten prämenstruellen Phase. Auch ältere Frauen erleben, dass der Körper mit seinen Rhythmen die Befindlichkeit steuert. PMS, Menopause, Wechseljahre, Schwangerschaft, dies alles sind Phasen der Transformation. Hier verweben sich Lebensabschnitte mit körperlichen Symptomen, bis sich die Wogen wieder glätten, und bis die Frau in ihrem neuen Lebensabschnitt ein neues Gleichgewicht gefunden hat.

Frage 6: „Warum helfen manche Dinge nur kurzfristig?“

Auch auf die Frage, warum manche Dinge nur kurzfristig helfen, gibt es keine simple Antwort. Integrale Gynäkologie befasst sich mit biologischen Zusammenhängen sowie den körperlichen, emotionalen, psychischen und existentiellen Ebenen der weiblichen Realität. Manchmal verlangt ein Symptom, dass Du mehr in die Tiefe gehen musst, hin zu Deinem Unbewussten, das sich im Körper ausdrückt. Wenn «etwas», ein Medikament, eine Pflanze, ein Supplement nur kurzfristig hilft, dann braucht der Körper noch etwas anderes, um wieder ins Gleichgewicht zu finden. Du kannst Deinen Körper auch fragen, was er braucht. Die Antworten sind oft erstaunlich präzise, und sollten ernst genommen werden. Auch darüber werde ich sprechen.

Frage 7: „Ich habe meine Gewohnheiten nicht verändert – und trotzdem nehme ich zu. Warum?“

Unzählige Male habe ich, vor allem von Frauen ab 40, diese Klage gehört. Das war übrigens eine der Fragen, die mich auf den Weg der Funktionellen Medizin geschickt haben. Ich musste einfach tiefer verstehen, was eigentlich im Stoffwechsel der Frauen geschieht. Die Antwort auf diese Frage wollen die meisten nicht hören: Wenn Du in dieser Situation bist, bist Du eingeladen herauszufinden, was Dein Körper jetzt für Veränderungen in Deinem Verhalten verlangt.

Frage 8: „Werde ich nach den Wechseljahren zum alten Eisen gehören?“

Die Phase des hormonellen Wechsels in der Lebensmitte der Frau ist mit sehr vielen kulturellen Vorurteilen belastet. Dieses Kapitel wurde bis jetzt von einer Kultur geschrieben, die ältere Frauen abwertet. Es liegt an uns, dieses Kapitel neu zu schreiben.

Frage 9: „Wie steht es um meine sexuelle Eigenmacht und Selbstbestimmtheit?“

Erstaunlich wenige Frauen sprechen von sich aus über sexuelle Eigenmacht und Selbstbestimmtheit. Viele Frauen glauben, dass Männer eine grössere Libido hätten als Frauen, im Sinne eines Triebes, der nach Befriedigung verlangt. Ich halte das für einen Mythos. Ich möchte Frauen helfen zu verstehen, dass sie nicht für die sexuellen Bedürfnisse ihrer Partner/innen verantwortlich sind, sondern nur für ihre eigenen. Gerade Fragen zur sexuellen Gesundheit gehen weit über das schulmedizinische Modell hinaus. Hier sprechen die Biografie der Frau und die kulturellen Überzeugungen durch den Körper. Schulmedizin hat mir nichts über Sexualität beigebracht. Ich gehöre zu einer Generation von Frauenärztinnen, die an der Universität nichts über Sexualität gelernt hat. Nicht einmal die korrekte Anatomie der Klitoris wurde an der Hochschule gelehrt. Zu meiner Zeit war diese – Du glaubst es kaum – noch unbekannt!

Frage 10: „Was kann ich selbst tun, um gesund zu bleiben oder gesund zu werden?“

Diese Frage beschäftigt viele Frauen, aber sie suchen oftmals die Antwort ausserhalb ihrer selbst. Ich lade Dich ein, zu Deiner eigenen Gesundheitsexpertin zu werden. Was kann ich selbst beobachten? Was muss ich wissen? Wo kann ich selbst handeln? Abonniere dazu meinen Newsletter, denn genau um diese Fragen geht es auf meiner Plattform für integrale Frauengesundheit.

Wenn eine dieser Fragen bei Dir besonders viel auslöst

  • Schreib Dir die Frage konkret auf, nicht das Gefühl dahinter, sondern die Frage selbst.

  • Beobachte 1 Woche lang, wann und wie oft sie auftaucht, und die Gefühle dahinter.

  • Nimm Deine Beobachtungen mit in Dein nächstes Arztgespräch, statt sie für Dich zu behalten.

Fazit:

Diese 10 Fragen sind ein Anfang. Sie zeigen, dass die meisten Unsicherheiten von Frauen nicht auf mangelndem Wissen und Verstehen beruhen, sondern darauf, dass ihnen bisher selten jemand die Zusammenhänge erklärt hat. Genau das möchte ich mit Dir gemeinsam ändern.