Grundlagen

Die Reihenfolge macht den Unterschied

Viele Frauen kennen das: Blähungen, ein launischer Zyklus, ständige Müdigkeit, und für jedes Symptom eine andere Anlaufstelle. Die Untersuchungen sind einzeln oft unauffällig. Trotzdem stimmt etwas nicht, und niemand bringt die Puzzleteile zusammen.

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Gesunder Teller mit Gemüse, Ei und Avocado

Bevor Du einzelne Symptome behandelst, lohnt es sich, auf der körperlichen Ebene in einer bestimmten Reihenfolge hinzuschauen: zuerst Ernährung und Darm, dann die Nebennieren, dann die Schilddrüse, und erst danach die Hormone des Zyklus. Vieles klärt sich, wenn diese Reihenfolge eingehalten wird. Aber denk daran, wenn der Körper ein Anliegen der Seele ausdrückt, dann lässt er nicht locker, bis Du noch weiter gehst, über den Körper hinaus. Am besten betrachtest Du jedes Symptom immer gleichzeitig auf der körperlichen, psychischen und seelischen Ebene.

Erklärung: Warum die Reihenfolge zählt

Systembiologie schaut das Zusammenspiel von komplexen Zusammenhängen im menschlichen Körper an. Diese Zusammenhänge können auf alle Wechselwirkungen zwischen «offenen Systemen» ausgedehnt werden. Es geht eben nicht nur um den Körper, sondern um den ganzen Menschen.

Genau das finde ich das Wertvolle an dieser Betrachtungsweise von Medizin, die ich, auf Frauen bezogen, integrale Gynäkologie nenne: der Mensch wird nicht als Maschine betrachtet, sondern als offenes, mit anderen «Systemen» in dauerndem Austausch stehendes System: Mit anderen Menschen, mit anderen Lebewesen, und mit der ganzen Welt. Wir wissen es intuitiv: so funktioniert Leben. Es ist komplex und einfach zugleich.

Wenn der Organismus aus dem Gleichgewicht ist, reagiert der Körper oftmals mit Symptomen, die vordergründig nicht viel miteinander zu tun haben. Wir denken nicht in funktionellen Systemen, sondern wurden erzogen, organbezogen zu denken. Das hilft uns, die einzelnen Organe gut zu verstehen. Aber es erschwert, das Zusammenspiel des gesamten Organismus zu erfassen.

Für viele Frauen sind Verdauungsbeschwerden «normal». Blähungen, Druckgefühl und Verstopfung sind alltäglich. Diese Beschwerden werden oftmals nicht spontan erwähnt, da sie eben fast normal sind. Auf der anderen Seite habe ich damals während der Ausbildung – ich hoffe, dass sich das unterdessen geändert hat – nicht viel über Ernährung gelernt. Ich verstehe es immer noch nicht. Nahrung aufnehmen, um daraus Energie zu gewinnen, ist eine der Grundfunktionen des Körpers und eines der biologischen Grundbedürfnisse. Die meisten Menschen essen mehrmals täglich. Ohne Nahrung können wir nicht leben. Aber im Studium habe ich mehr über Vitamine und Mineralstoffe gelernt als über sogenannte Makroernährung.

Prinzip 1: „First go to the gut“

Wenn alles drunter und drüber geht, wenn Beschwerden da sind, auch in Abhängigkeit vom Zyklus – es lohnt sich immer, zunächst zu schauen, ob Ernährung Entlastung bringen könnte.

«FIRST GO TO THE GUT» ist das wichtigste Grundprinzip der Regulationsmedizin.

Ich habe die Richtigkeit dieses Prinzips hunderte Male erlebt. Ich habe Fälle gesehen, wo sich ein Spermiogramm normalisiert hat – nur durch eine Ernährungsumstellung. Dasselbe während einer Schwangerschaft: Nach acht Spontanaborten kam ein gesundes Baby auf die Welt – nachdem die Frau strikt aufgehört hatte, glutenhaltige Produkte zu sich zu nehmen. Ihre Tests waren alle negativ, obschon sie Symptome und Fälle von Zöliakie in der Familie hatte. Labortests erzählen eben nicht immer die ganze Wahrheit.

«FIRST GO TO THE GUT» ist auch ein gutes Prinzip bei chronischen Unterleibsschmerzen, starken und schmerzenden Regelblutungen, und bei «Hormonchaos», bei multiplen Beschwerden im Laufe des Zyklus, bei Stress, und in der hormonellen Umstellung in der Lebensmitte. Ich habe zu diesem Zweck nach den Prinzipien der Funktionellen Medizin ein Ernährungsprogramm für Hormon-Balance kreiert, wo ich Dich Schritt um Schritt an der Hand nehme und wo Du lernst, Deine Symptome selber zu beobachten, einzuordnen und nach diesen Erkenntnissen zu handeln.

Prinzip 2: Was hat das System zu viel, was zu wenig?

Das zweite Grundprinzip der Regulationsmedizin ist eine Frage: «Wovon hat das System zu viel, und wovon hat es zu wenig?».

Anders ausgedrückt: Muss etwas entfernt werden? Das war der Fall im obigen Beispiel der Frau mit den unzähligen Spontanaborten: Bei ihr musste Gluten aus der Nahrung entfernt werden. Halt, ich habe nicht gesagt, dass Gluten immer entfernt werden muss. Bei ihr war das so, in ihrer ganz individuellen Situation. Es gibt andere Fälle – bleiben wir bei den Spontanaborten – die zum Beispiel eine Substitution mit Progesteron erfordern. Dann muss nicht etwas entfernt, sondern etwas hinzugegeben werden.

Dieses zweite Grundprinzip beschränkt sich nicht nur auf die Biologie. Gerade Beziehungen zum Beispiel können Frauen sehr belasten. Das Modell der Funktionellen Medizin betrachtet Beziehungen als «modifizierbare Lifestyle-Faktoren». Damit bin ich überhaupt nicht einverstanden. Viele Frauen können ihre Beziehungen nicht einfach mir nichts dir nichts modifizieren. Frauen sind eingebunden in Familien, Kulturen, Länder und Religionen. Frauen stehen unter familiärem und finanziellem Druck. Frauen sind Mehrfachbelastungen ausgesetzt. All dies drückt sich aus in ihren Körpern.

Prinzip 3: Die richtige Reihenfolge im Hormonsystem

In Bezug auf das Hormonsystem gibt es einen sehr wichtigen Grundsatz: Vom funktionellen Standpunkt her bringt es nicht viel, den Zyklus isoliert zu betrachten. Die Basis des funktionellen Hormonsystems bilden die Nebennieren. Hier werden unter anderem die Stresshormone gebildet.

Die Nebennieren sind immer das erste System, das angeschaut werden muss. Danach kommt die Schilddrüse, Herrscherin über den Stoffwechsel. Erst nachher kommen wir zu den Hormonen des Zyklus.

Drei Ansatzpunkte für den Alltag

  • Schau zuerst auf Ernährung und Darm, bevor Du zu Supplementen oder Hormonpräparaten greifst.

  • Erzähle Deiner Ärztin auch vermeintlich banale Beschwerden wie Blähungen oder Verstopfung, denn sie gehören zur ganzen Geschichte.

  • Wenn ein Mittel nur kurzfristig hilft, ist das ein Hinweis, dass zuerst ein anderes System an der Reihe ist.

Fazit:

Dieses Verständnis ist essenziell. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es am Anfang verwirrend sein kann. Ich werde noch oft darüber sprechen. Du wirst es verstehen. Es liegt mir am Herzen, dass dieses Wissen allen Frauen zur Verfügung steht, damit sie verstehen, wo sie selber aktiv werden können, um ihre Symptome zu verbessern.